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Dienstag, 13. Januar 2015

Gokarna Stadt

Gokarna wurde ziemlich lange auf der üblichen Indienroute links liegen gelassen.

Irgendwann konnte man die Stadt aber einfach nicht mehr ignorieren :).

Gokarna liegt an einem breiten weißen Sandstrand. Als wäre das nicht genug schrauben sich im Hintergrund die Ausläufer der Westghats in die Höhe, was für eine wunderschöne Atmosphäre sorgt und als weiteres Highlight gibt es auch noch 4 weitere ruhige Strände, die zum Schwimmen und Sonnenbaden und Abhängen einladen.

Und zu guter Letzt ist Gokarna auch noch eine heilige Stadt.

In der Hindu-Mythologie ist der Stadtstrand die Stelle, in der Shiva nach einer gewissen Zeit der Buße durch das Ohr einer Kuh aus der Unterwelt wiedergeboren wurde.


Gokarna beherbergt außerdem einen der mächtigsten shivalingas Indiens. Er befindet sich im Shri Mahabaleshwar und ist Touristen und Nichthindus leider nicht mehr zu besichtigen. Nachdem einige Anstandsregeln von den Besuchern verletzt wurden, ist der Zutritt zu diesem Tempel und auch zu dem Shri Mahaganpati nunmehr verboten.


Das ist ein bisschen unglücklich für all unsere armen Seelen. Denn der shivalinga gilt als dermaßen heilig und kräftig, dass schon ein Blick (!!) genügt, um sich von 100 Sünden reinzuwaschen.

Insofern ist es verständlich, dass der Ort viele Pilger anzieht. Das macht den Charme dieser kleinen Küstenstadt aus. Während man einen Chai an der Straße trinkt, ziehen kahl geschorene Pilger vom Strand zum Tempel an einem vorbei. Überall sind Opfergaben aufgebaut. Überall kann man schöne Voodoo-Sachen kaufen :).




Die hinduistischen Pilger sind somit defintiv in der Überzahl zu den wenigen westlichen und israelischen Besuchern.



Ich denke, das bleibt auch noch ein bisschen so. Dafür spricht auf jeden Fall, dass die 4 wunderschönen Strände von Gokarna reichlich außerhalb der Stadt liegen. Aber dazu gibt es einen eigenen Post.










Paradise Beach in Gokarna

Wer es noch ruhiger als am Half Moon Beach möchte, klettert weiter über die Felsen in die nächste Bucht. Der Paradise Beach erwartet einen!

Mir persönlich hat der Half Moon sehr viel besser gefallen. Der Paradise Beach ist klein und wirklich paradiesisch schön. Palmen wiegen sich im Winde und so weiter :)


Es gibt einen kleinen Shiva-"Tempel", der irgendwann von irgendwelchen Leuten mal aufgebaut wurde und die Stimmung ist äußerst freakig und peacig.




Selbst die Palmen sind bemalt :)


Aber ... Leider ist der Strand auch ziemlich vermüllt.

Einige Freaks zelten dort wild. Freakig wie sie sind vergessen sie anscheinend aber, ihren Müll wieder mit zurück in die Zivilisation zu schleppen.

Schade!



Half Moon Beach in Gokarna

Der Half Moon Beach liegt hinter dem Om Beach.

Man erreicht diesen bequem per Boot (300 Rupien für eine einfache Fahrt). Wer das nicht zahlen will muss ca. 30 Minuten über die hohen Felsen in die nächste Bucht klettern.

Verhandeln beim Bootfahren ist übrigens zwecklos. Die Fischer wissen genau, dass sie diesen Preis irgendwann doch von den Touristen bekommen :).



Entgegen der üblichen Reiseführermeinung ist der Half Moon Beach inzwischen auch bewirtschaftet. 

Es gibt so etwas wie einen kleinen Campingplatz auf einem (sehr schönen) privaten Grundstück. Am Ende der Bucht befindet sich ein kleines Cafe, das auch einfache Huts zum Preis von 300 Rupien vermietet.



Wer vollkommen runterkommen will, sollte sich hier ein paar Tage einmieten. Nix zu tun außer schwimmen, sonnenbaden und vom Felsen aus auf’s Meer starren.

So schön die Atmosphäre an dem Strand auch ist, DAS wäre selbst mir zu ruhig.

Und ich kann wirklich gut mit mir alleine sein :).






Die Strände von Gokarna

Die meisten (westlichen) Besucher kommen nicht wegen der Tempel nach Gokarna, sondern wegen der schönen Strände in der Umgebung.

Es gibt 4 Strände, die man - sofern man einigermaßen fit zu Fuß und schwindelfrei ist - gut zu Fuß erreichen kann.

Zum Kudle Beach läuft man vom Bazar aus ca. 30 Minuten auf der schattenlosen Straße. Also nicht unbedingt in der Mittagshitze zu empfehlen.






Vom Kudle Beach sind es über einen Felsenpfad noch einmal 30 Minuten zu Fuß zum Om Beach.


Und wenn man zum Half Moon- oder Paradise-Beach möchte, um dort die komplette Dosis Einsamkeit zu erwischen, muss man pro Bucht ebenfalls noch einmal 30 Minuten rechnen. Nix für Fußfaule also :)

Die Unterkünfte am Kudle- und Om Beach sind äußerst basic. Meistens handelt es sich um einfache Bastmattenhütten. Darin befindet sich ein kleines Doppelbett mit Moskitonetz und das war’s. Klo und Dusche außerhalb, Storm nur zu bestimmten Zeiten.

In den dazugehörigen kleinen Restaurants gibt es das übliche Travelleressen. Pancakes, Falafel, Pizza und Indien-Food. Das Essen erfüllt also nicht gerade Gourmet-Ansprüche :)

Sunbeds oder Sonnenschirme sind ebenfalls nicht vorhanden. 

Dafür gibt es umso mehr Kühe, die den Touristen das Obst wegfuttern.



Insofern eignen sich die Strände nicht für Jeden zum Relaxen und werden ihren Charme hoffentlich noch ein wenig bewahren können :).

Mich hat insbesondere “unser” Om-Beach sehr an die Haadrin-Bucht auf Koh Phangan vor über 20 Jahren erinnert. Der gleiche Spirit, der sich hoffentlich noch ein paar Jahre an diesem schönen Fleckchen Erde bewahrt, bevor die Strände richtig “entdeckt” und bevölkert werden.


Freitag, 9. Januar 2015

Dschungelbuch und Hampi

Jeder von euch kennt das "Dschungelbuch" von Walt Disney, oder?

Aber wisst ihr auch, wie und wo es entstanden ist? Ich weiß es nicht! Aber meiner Meinung nach gibt es nur einen Ort auf der Welt, der als Inspiration dafür gedient haben kann ;)

Hampi, die alte Tempelruinenstadt (und jetziges Weltkulturerbe).


Überall liegen riesige Felsbrocken herum. Drumherum und mittendrin befinden sich uralte Tempel und alles ist überwuchert von immenser Vegetation. Zuckerrohr, Bananenplantagen und Dschungel, zwischendurch ein paar Feldwege.


Ich persönlich kann mir gut vorstellen, wie Balu hüfteschwingend "Probier's mal mit Gemütlichkeit" singend durch diese Landschaft gedackelt ist und Mowgli durch die Gegend geschwungen hat :)


Scherz beiseite ... Hampi hat was!

Hampi ist ein bisschen wie Indien im Allgemeinen! Entweder mag man es oder man mag es nicht! Punkt! Etwas Anderes gibt es nicht zu sagen! Ich kenne Leute, die nach 2 Tagen keine Felsen mehr sehen konnten und sich zu Tode gelangweilt haben. Ich kenne aber auch Leute, die 4 Wochen in Hampi verbracht haben und immer noch nicht genug hatten.


Im 16. Jahrhundert war Hampi Hindu-Hauptstadt und beherbergte 500.000 Einwohner. Also wahrlich nicht gerade eine Kleinstadt. Von dieser Pracht ist leider nicht mehr viel übrig.




Die meisten Baudenkmäler und Tempel sind in schlechtem Zustand. Der Erhalt dieser historischen Stätte erfordert Geld und anders als in Agra kostet der Eintritt zu den drei Haupttempeln ingesamt nur 250 Rupien. Wenn man bedenkt, dass kaum westliche Besucher die Tempelanlagen besuchen, wird eigentlich schon klar, dass das dringend benötigte Geld für den Erhalt der Kulturdenkmäler nicht aufzutreiben ist. Inder zahlen 10 Rupien, das bringt nicht so viel Kohle in die Kasse :)

Die Felsbrocken, die im Umkreis von 26 Quadratkilometern wie willkürlich hingeschmissen liegen, sind unglaublich.

Hannah hat unseren Besuch in Hampi nicht wie Thomas und ich mit dem "Dschungelbuch" verbunden, sondern mit "Asterix und Obelix".

"Das sieht hier aus, als hätte Obelix Hinkelsteinweitwurf gemacht."


Der Legende nach war es allerdings nicht Obelix, der die Steine durch die Gegend geschmissen hat, sondern die Soldaten Hanumans, die dieses als Nachweis ihrer Stärke getan haben.

Ich will euch jetzt nicht mit der Entstehungs- und Untergangsgeschichte von Hampi oder den vielen Tempeln langweilen. 

Wer weitreichende Infos zu Hampi nachlesen möchte, kann dieses hier oder hier tun. Es gibt leider keine deutschsprachigen Bücher oder Infos zu Hampi. Und die englischsprachigen sind leider aufgrund der ganzen Götterbeschreibungen etwas schwierig zu verstehen. Für mich jedenfalls! Ich komme schon bei deutschen Beschreibungen der ganzen Götter und Tempel in Indien in Schwierigkeiten ...

Aber manchmal reicht es ja auch schon, einfach den Gesamteindruck auf sich wirken zu lassen, ohne alle genauen Hintergrundinformationen parat zu haben.




Gewohnt haben wir in Hampi Bazar, also in dem alten heiligen Teil der Stadt. Ich habe ja schon ein paar Mal darüber geschrieben, dass in heiligen Städten in Indien weder Zigaretten geraucht noch Alkohol getrunken werden darf. Jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit!

Bhang Lassies dürfen hingegen getrunken werden und wer (nicht allzu öffentlich) kifft wird auch nicht blöde angeschaut.

Auf der anderen Seite des Flusses hat sich im Dorf Virupapuragadda eine Travellerszene breitgemacht. Dort gibt es keine Restriktionen. Inmitten der Reisfelder kann man auf den Sitzkissen oder den Hängematten abhängen und wenn man möchte, auch ein Bier trinken.



"Nachteil" des Dorfes ist, dass die "Fähre" nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die andere Flussseite fährt und man somit gezwungen ist, ein teures Tuktuk zu nehmen. Es fahren manchmal auch noch kleine “Boote”, die genau so aussehen wie das Bastteil in dem Mowgli seinerzeit ausgesetzt wurde. Verlassen kann man sich darauf aber nicht. …

Allerdings haben wir auch kaum Leute getroffen, die abends von Hampi Bazar nach Virupapuragadda herüber wollten. Im Gegenteil, eigentlich haben wir viel mehr Leute getroffen, die die Fähre tagsüber genutzt haben, um entspannt ein Bierchen zu trinken ...

"Vorteil" allerdings ist auf jeden Fall die relaxte Atmosphäre. Viele Leute aus aller Welt treffen sich, reden miteinander und der Blick auf die Tempel ist auch von dieser Flussseite phänomenal.


Um die Tempel zu besuchen, nutzt man sowieso ein Tuktuk. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand das gesamte Areal in dieser Affenhitze zu Fuß abläuft ...

Auch wenn ich ja tendenziell ein Informationsjunkie bin und mich gerne immer vorab über die Dinge informiere, bin selbst ich inzwischen so relaxt, dass ich mir überhaupt keine Informationen mehr VORHER über die Orte durchlese oder darüber recherchiere.

Manchmal rächt sich das allerdings!

In Hampi fand nämlich am Wochenende DAS Festival statt. Bollywood- und Politprominenz reichten sich die Klinke in die Hand. Die Tempel waren wunderschön angestrahlt, indische Männer, Frauen und Kinder übten den indischen Hüftschwung und Pani Pani schallte selbst in Hampi Bazar durch die Gassen.

Der Ort war dementsprechend ausgebucht und ab Freitag morgen (dem Tag unserer Abreise) auch komplett abgesperrt. Niemand kam motorisiert heraus, niemand kam herein. Außer der Prominenz halt :)

Für uns bedeutete das, 5 Stunden vor Abfahrt unseres Nachtbusses aus Hospet zurück nach Palolem mit vollem Gepäck in der Mittagshitze über die Berge aus der Stadt heraus zu kraxeln ...

Hat aber alles gut geklappt. Irgendwann haben wir mit der Hilfe eines vor der Stadt parkenden Tuktukfahrers den Shuttlebus zum nächsten Ort gefunden und sind dann dort in sein Tuktuk umgestiegen und haben uns zum Busbahnhof bringen lassen.



Den Bus hätten wir dann zwar fast noch verpasst, aber das ist eine andere Geschichte, die ich hier nicht weiter ausführen werde :)