Dienstag, 22. Juli 2014

Reisen ist kein Urlaub!

"Du hast 8 Monate Urlaub? Wie geil!"

Wie oft habe ich diese Sätze schon gehört? Und wie oft habe ich schon versucht, diese Sätze zu relativieren?

Über Monate zu reisen ist kein "Urlaub"!

Über Monate zu reisen hat ganz viel mit Organisation und manchmal auch mit anstrengenden Situationen während der Tour zu tun.

Wollt ihr ein paar Beispiele lesen?

Du willst weiterreisen. Jeden Tag stellst du dich wieder in die Schlange an einem indischen Bus- oder Bahnhofsschalter an.  Ab dem vierten Tag kannst du die Antwort "Maybe tomorrow" der indischen Beamten einfach nicht mehr hören ... und zahlst schlussendlich doch eine kleine "Reisegebühr" :)

Es regnet Bindfäden! Du hängst im Norden von Vietnam fest, deine Klamotten sind vollkommen durchnässt und dennoch musst du noch 3 weitere Tage ohne (westliches) Klo in den Bergen rumhängen, weil du dir eine "ach so tolle Trekkingtour" hast anschwatzen lassen und den Weg alleine nie zurück finden würdest ... 

Du bist verliebt und schiebst unendliche Sehnsucht!

Du hast viel Geld für eine "Permission" für Tibet bezahlt und kommst dennoch nicht rein ... und dein Geld bekommst du natürlich auch nicht wieder! "Maybe tomorrow ..."

Du vermisst deine Homebase! Deine Freunde, deine Eltern, deinen Postboten, deinen Lieblingsgriechen. Selbst dein Fernseher  und deine Couch erhalten im Laufe der Zeit einen Heiligenschein und kommen dir unheimlich wichtig vor. Viel wichtiger als die Hängematte vor deinem Bungalow ;)

Du stehst immer wieder an Grenzübergängen! Meistens klappt es mit einem souveränen Auftreten, einem freundlichen Lächeln und einer ordentlichen und sauberen 20 $-Note für's Visa on arrival  ... aber manchmal halt auch nicht!

Und dann bleibt nur zu hoffen, dass du den Weg über die Staubpiste mit deinem Rucksack zurück gehst, bevor der Grenzübergang auf der anderen Seite zugemacht wird. Ansonsten kannst du nämlich weder vor noch zurück und bist für eine Nacht "staatenlos". Das willst du nicht! Definitiv nicht! Dann gibt es nämlich nur noch 2 Varianten:

Entweder illegal über die Grenze zu gehen (dann musst du aber auch wieder illegal ausreisen) oder im Niemandsland auf dem Boden schlafen und darauf hoffen, dass die Grenzbeamten am nächsten Tag Mitleid mit dir haben und deinen Lappi nicht mehr als journalistisches Arbeitsmittel ansehen!

Nach Fährüberfahrten mit Sturm und hohen Wellen in Thailand oder wo auch immer, magst du keine Fähre mehr betreten. Du hast einfach keine Lust mehr, kotzend über der Reling zu hängen! Es bleibt dir aber nichts anderes übrig, wenn du auf eine bestimmte Insel möchtest. Außer du bist ein Kampfschwimmer ;)

Eine deiner besten Freundinnen bekommt ein Kind und du siehst es das erste Mal über's Internet! Natürlich nur mit Standbild, weil das Netz nicht immer funktioniert :)

Insbesondere wenn du nur kurz an einem Ort bist, hast du das Gefühl, gut auf deine Sachen aufpassen zu müssen. Und das ist anstrengend!

Du findest es irgendwann langweilig, immer nur auf englisch zu kommunizieren und ausschließlich englische Bücher austauschen zu können!

Du kannst keinen Smalltalk mehr hören. Die Sätze "Where are you from? Where have you been? You have to go there and there" gehen dir auf gut deutsch gesagt auf die Nüsse.

Irgendwann würdest du dich für ein Schwarzbrot mit Käse glatt prostituieren!

Nun mal ehrlich ... ist das Urlaub? Was meint ihr? Und was strengt euch irgendwann an? 


Kommentare:

  1. Kenn ich... mir sagen auch immer alle "Du arbeitest da wo andere Urlaub machen... das ist ja wie selber Urlaub haben"... dass wir aber arbeiten und keinen Urlaub haben sieht fast niemand.

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  2. Ich werde ja wahrscheinlich gar nicht viel arbeiten ...außer Schreiben, aber das ist ja eher ein Hobby :) ... Aber es ist schon so, oder? Sobald man - insbesondere - lange von der Homebase weg ist, heißt es automatisch "Urlaub"

    Liebe Grüße
    Bine

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